"La Cu isine"
In Zusammenarbeit mit den Händel-Festspielen Halle.

von Christine Marneffe
19h-23h
04-12 may 2004

Anmeldung unter Telefon 0345/204 05 27/28.
Gäste: 25 Euro, Zuschauer: 1 Euro.
Ort: Pavillon vor der Oper, Joliot-Curie Platz
Halle/Saale

archives of the portraits

Halle an der Saale hat eine neue Insel. Die liegt zwar wie jede richtige Insel im Wasser, umgeben aber ist sie vom Festland der Stadt. Vom Ufer, aus dem Zentrum der Stadt heraus, sind es nur ein paar Schritte, man setzt sofort über und betritt trockenen Fußes „La Cuisine“.

So gelandet, ist „La Cuisine“ zuerst ein chinesischer Pavillon mit einer Einladung in ein sommerliches Café, eine Terrasse mit Ausblick und eine verblüffende Fotoausstellung.

Später wird daraus ein Theaterexperiment als entspannter, unterhaltsamer Abend. Beides macht „La Cuisine“ zu einer angenehmen Erfahrung. Mit einigen Überraschungen.

Angenehme Erfahrungen macht man an besten in der Küche. Hier sitzt man ungezwungen beieinander, redet über dies und jenes und trinkt gerne mal ein Glas mehr. Die Musik ist nie zu laut, fürs gemeinsame Kochen nimmt man sich viel Zeit – fürs Essen noch mehr – und je weiter der Abend vorrückt, desto offener wird das Vergnügen: Vielleicht ein kleines Spiel? Ein Tanz? Noch einen Kaffee?

Genau so sind die Abende in „La Cuisine“. Nur dass sie mit einer kleinen Überraschung beginnen: Die Gesichter der Gäste werden geschminkt. Sehr dezent und äußerst subtil führt dieser Handgriff die Gesichtszüge in eine andere Richtung – vom Maskulinen zum Femininen oder umgekehrt. Und jeder in der Runde kann sehen, wie sich entfaltet, was das Gesicht bisher zurückhielt. Nichts wird dabei aufgesetzt, nichts weggenommen, nur das Verborgene wechselt mit dem Offensichtlichen.

„La Cuisine“ nimmt seinen Anfang in einer neuen Begegnung mit dem eigenen Gesicht. Und setzt diese Erfahrung im Blick der anderen fort, einen schönen Abend lang. Was daraus wird, wie dieses Spiel mit Personen und Identitäten endet, lässt sich nicht vorhersagen. Sicher ist nur, dass jeder es spielen kann, der gerne französisch isst und erleben will, wohin ihn sein Ich auf einer Insel führen kann.

Unter den geschickten Händen der Visagistin verschwindet alles, was weibliche Wesen gemeinhin schöner macht: Wimperntusche, Lidstrich, Lippenstift, Make-up. Stattdessen ein paar Bartstoppeln über Oberlippe und Kinn, dichtere Augenbrauen, ein bisschen Gel ins Haar - und die Metamorphose ist perfekt. "Es ist nicht zu fassen", sagt die junge Frau aus Dresden, "ich sehe aus wie mein Vater, dabei dachte ich, dass ich meiner Mutter immer ähnlicher werde."
Nicht Travestie und Kostümierung hat die Künstlerin im Sinn, sondern Bloßlegung: Mit subtilen Mitteln macht sie das Männliche im Gesicht einer Frau und das Weibliche im Gesicht eines Mannes sichtbar.

© Delphine Merlato
Was wäre, wenn ...?: Mit subtilen Mitteln macht Christine Marneffe das Männliche im Gesicht einer Frau und das Weibliche im Gesicht eines Mannes sichtbar

Es ist ein Psycho-Verwirrspiel, das um den Gedanken kreist: Was wäre, wenn ...? Ihr geht es um Irritation und um Symbiose, um Yin und Yang, um Bruder und Schwester, um Vater und Tochter - verborgen in einer Person, in einem Gesicht. Das Ergebnis ist oft so verblüffend, dass es kaum noch möglich ist, das Original von der "Fälschung" zu unterscheiden. Sind das Geschwister? Oder Zwillinge?

"La Cu isine"

19h-23h
04-12 may 2004

Anmeldung unter Telefon 0345/204 05 27/28.
Gäste: 25 Euro, Zuschauer: 1 Euro.
Ort: Pavillon vor der Oper, Joliot-Curie Platz
Halle/Saale
live streaming: mms://62.141.50.118/live/live.wmv


© Klemens Kühn Ganz klar eine Frau: Christine Marneffe

Unterstützt wird Christine Marneffe von der Maskenbildnerin Cécile Kretschmar und den Fotografen Delphine Merlato und Pascal Bois, die in Schwarzweißfotos das Vorher und Nachher dokumentieren. Ob in Paris, Dijon, Montreal oder Dresden - wo immer die Franzosen waren, "die Leute rannten uns die Bude ein. Sie kamen von überall her, aus allen Altersgruppen und Schichten, vom Arbeitslosen bis zur Topmanagerin", erzählt Marneffe. Und alle wollten nur eins: die Reise ins andere Ich antreten, eine kleine Pause vom Mann- oder Frausein einlegen, den Geschlechter-Switch erleben - als Selbsterfahrungstrip mit garantiertem Rückfahrschein. "Dabei ist es meist viel schwieriger", sagt die Visagistin, "Männer in Frauen zu verwandeln. Ich glaube, das hat mit unserer Fantasie zu tun. Bei Männern hat man sehr schnell die Travestie-Nummer im Kopf."

NEUGIERIG AUF DAS ANDERE Geschlecht sind Menschen immer gewesen, aber allmählich beginnen sie, es auch in sich selbst zu entdecken. Was heißt schon "männlich"? Oder "weiblich"? Längst gibt es keine klaren Rollenbilder mehr. Jungs tragen Lidstrich, Mädchen Hosen mit Eingriff. Gebärden, Kleidung, gesellschaftlicher Status - Paul und Paula bedienen sich hemmungslos der Insignien des jeweils anderen Geschlechts. Das Superweib im Army-Look, der Macho in der Rüschenbluse - alles nur eine Frage der emotionalen Selbstdarstellung. Und so passt es auch, dass ausgerechnet ein Fußball-Star zur Stilikone avanciert ist. Seit David Beckham den "Metro-Sex" zum Lifestyle erklärt hat, wissen Großstadtjungs, dass ein bisschen Weiblichkeit einen Mann noch lange nicht zum Weichei macht.

Wer Lust hat, im eigenen Gesicht auf Spurensuche zu gehen, hat vom 5. bis 12. Juni Gelegenheit dazu. Im Rahmen der Händel-Festspiele in Halle warten Christine Marneffe und ihre Mitarbeiter in einem Chinesischen Pavillon auf Zuschauer und Mitspieler. "La Cuisine", die Küche, so heißt diese Mischung aus Fotoausstellung und Theaterexperiment. Der Abend beginnt damit, dass die Gesichter der Gäste ab- und umgeschminkt werden, während gleichzeitig ein Essen zubereitet wird. "Die Küche", weiß Christine Marneffe, "ist ein Ort, an dem alle sich wohl fühlen. Hier kommt man bei leiser Musik und einem Glas Wein ins Gespräch, man nimmt sich Zeit fürs Kochen und fürs Essen. Und für ein kleines Spiel mit der Identität." Ein Spiel, das jeder spielen kann, der die französische Küche schätzt - und neugierig ist auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise ins verborgene Ich.

Irmgard Hochreither (Stern)

Idee: Christine Marneffe
Ausstattung: Klemens Kühn
Maske: Cecile Kretschmar, Nathalie Charbaut, Heidi Lange, Antje Noch
Fotografie und Küche : Delphine Merlato
Video und Internet: Christian Vanderborght
Schauspieler :
Axel Gärtner

GREATS THANKS TO INGO, RIKO, YANN, FLORIAN, KAI, MATTHIAS and all the THALIA crew!

in Zusammenarbeit mit den Händelfestspielen Halle
Thalia Theater Halle : Thaliapassage/06108 Halle
phone: 0345 20 40 50
info@thaliatheaterhalle.de
www.thaliatheaterhalle.de